Skitour: Stubai Classics
Tirol, Stubaier Alpen
Unterwegs mit: Lukas Waldner
Nachdem Lukas im Jänner mit Philipp eine lange Winter-Gratüberschreitung im Kühtai beim Finstertaler Stausee gemacht hat, und sich dabei einen großen Zeh abgefroren hat, war er erstmal ~2 Monate außer Gefecht. Nun aber wollten wir wieder einmal eine etwas längere Skitour machen - und dachten, eine Kombination von Gipfeln im Stubaital wäre die perfekte Tour um uns wieder an die langen Tage zu gewöhnen.
Nachdem ich erstmal 20 Minuten verschlafen hatte, ging es um halb 5 mit dem Zustieg zur Sulzenauer Hütte los - die außergewöhnlich hohe Schneelage dieses Winters, kommt uns bei den Frühjahrsskitouren sehr zu Gute. Wir konnten vom Tal losgehen und auch komplett wieder bis unten abfahren, und sparten uns so das lästige und kraftraubende Skitragen. Der "Weg" Richtung Sulzenauer war dann aber alles andere als gemütlich - ewig viele, bis zu 40° steile Waldpassagen, Hänge und Lawinenkegel mussten gequert werden. Mit den Rennski rutschte ich teilweise herum wie auf Eis, am Ende war`s dann bestimmt anstrengender als hätte man die Ski tragen müssen. Wenn´s so ist frage ich mich oft beim Gehen, warum wir eigentlich hier sind und uns das antun? Früh aufstehen ist e nicht so mein Ding, und dann auch noch in absturzgefährdetem Gelände bei schlechtem Schnee unangenehme Passagen queren bis der linke Innenknöchel schmerzt wie sonst was - eine Woche später sollte sogar ein Skitourengeher in diesem Gelände den Tod finden, als er bei der Querung eines Lawinenstrichs ausrutschte und nicht mehr zum Stehen kam. Eine genaue Antwort hab´ ich auch nicht, aber irgendwie wird man dann doch immer für solche Qualen belohnt. Als die Sonne aufgeht und wir den Sulzenauer Ferner betreten, lacht uns die Sonne ins Gesicht und besänftigt unsere Gemüter. Die Motivation steigt exponentiell, und wir spuren in flottem Schritt bis unter den Pfaffenkogel.
Am Sulzenauer Ferner, links oben die Pfaffenschneid
Auf der Pfaffenschneid, das Zuckerhütl im Hintergrund
Die Pfaffenschneid ist auch im Winter ein einfacher Grat, über welchen wir uns mit Ski am Rücken schnell drüber bewegen - dieses klassische alpine Gelände ist ohnehin Lukas´ und mein "Spezialgebiet". Angekommen am Zuckerhütl erreicht uns dann abrupt das Ende der Stille und Einsamkeit. Bestimmt über 40 Skitourengeher stehen in der Rinne, die vom Skidepot zum Gipfel führt. Wir gehen seitlich an Ihnen vorbei. Wie gewöhnlich hört man sich dabei noch zwei, drei gscheide Kommentare an. Wir schenken Ihnen keine weitere Beachtung, denn wir haben ein Ziel und doch noch a´Bisserl an´ Weg vor uns. Jede(r) geht so auf den Berg wie es für sie oder ihn bezüglich Tempo und Ausrüstung etc. passt. Uns so geht´s weiter und wir stehen nach kurzer Zeit am Wilden Pfaff. Anders als geplant, steigen wir nicht über den Pfaffengrat zur Müllerhütte ab, sondern aufgrund der guten Schneesituation direkt durch die Südflanke, wo wir bald unsere Ski anziehen können. Hier konnten wir viel Zeit rausholen.
Am Zuckerhütl liegt die 1. Etappe hinter uns
Beim Auffellen Richtung Wilder Freiger fällt mir dann auf, dass sich der Hinterbacken meiner Bindung so verschoben hat, dass der Schuh nicht mehr arretiert - geil dachte ich mir, was gibt´s besseres als über 2000 Höhenmeter Abfahrt auf Rennequipment mit einer offenen Bindung? Naja, zumindest das Raufgehen funktioniert noch normal. Der Anstieg auf den Freiger sollte nicht zu spät gemacht werden. Total Südseitig geht es dann doch schnell zu dieser Jahreszeit - die Sonne steht bereits seit einiger Zeit im Hang und der Schnee ist weich und zum Gipfel hin wird´s so steil, dass man auf den letzten Metern die Ski tragen muss.
Mit massiver Rücklage und schaffe ich es einigermaßen abzufahren, und so entscheiden wir uns die geplante Route fertig zu gehen. Wir halten uns bei der Abfahrt rechts, und queren auf ca. 2600m Richtung Feuerstein. Wir gönnen uns eine längere Pause, bei der wir ausführlich über die Ernährung am Berg philosophieren, als Lukas mir seine neue M&Ms-Studentenfutter-Trockenfrüchte-Nussmischung vorstellt. Nun gilt es in der unnachgiebigen Nachmittagssonne nochmal ~650 Höhenmeter zu bewältigen . Es ist wirklich heiß - es herrscht kein Wind, keine Wolken zieren mehr am Himmel und wir steigen in einer Bowl, geformt wie ein halber Paraboloid mit maximaler Gegenstrahlung auf. Es fühlt sich an wie in einer Sauna auf 3000m. Ausdauermäßig hätten wir wohl noch deutlich länger, sowohl was Lunge als auch Muskulatur betrifft, gehen können. Aber die Hitze hat uns echt geschlaucht, und so waren wir einfach nur froh den Feuerstein über seinen gemütlichen Firngrat zu erreichen.
Danke Lukas für die gewaltige Skitour!
Facts: ~3300hm, 26km
Material dabei:
Spaltenbergungsmaterial
Steigeisen, Kurzpickl





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