Alpinklettern: Rebitsch-Spiegl mit Vertical Tango Ausstieg
Tirol, Wilder Kaiser
Unterwegs mit: Lukas Waldner
Der Kaiser bietet ja das gesamte Spektrum was Felsqualität betrifft. Von Schrott bis wirklich tollen Fels findet man hier echt alles - die beiden letzten Längen der Vertical Tango übertreffen aber sämtliche Erwartungen.
Wie gewohnt bringen Lukas uns ich unsere Zustiege meistens schnell hinter uns. Ja, so einen Zustieg mit schwerem Rucksack mit etwas Tempo hinter sich zu bringen, das kann man durchaus als Ausdauertraining sehen - somit hat man im Kaiser eigentlich immer einen Multisport Tag ;) Da wir planen am Elmauer Tor ein Materialdepot zu machen, gehen wir mit fetten Rucksäcken los - Dank der angenehmeren Tragesysteme spüren wir das Gewicht der schweren Rucksäcke nicht so arg, und stehen bereits nach einer guten Stunde am Elmauer Tor. Hier ziehen wir uns Gurt und Material an, und versuchen den richtigen Einstieg zu finden (was kein Problem ist). Man steuert unterhalb des Bandes, welches zur Dülferführe hinzieht, einfach den markanten Riss an. Dieser führt zuerst auf ein kleines Absatzerl, und anschließend mitten durch die beiden im Bild sichtbaren gelben Felszonen.
Lukas in der Ersten Seillänge
Unsere Finger sind noch recht kalt, ansonsten ist die Kletterei von Beginn an wunderbar. Aufgefallen ist uns jedoch die heftige Sanierung der ersten Seillängen. Der Riss wäre wirklich perfekt zum clean klettern - an vielen stellen kann man (für einen Kalkriss) sogar außerordentlich gut jammen, von Sicherungen legen ganz zu schweigen. Trotzdem steckt in diesem Klassiker alle 1,5 - 2 Meter ein Verbundhaken. Ich bin wirklich der letzte der kategorisch etwas gegen Sanierungen hat, vor allem was Standplätze betrifft. Aber in diesem Fall hat man es meiner Meinung nach übertrieben und die Route etwas ruiniert. Oder was heißt ruiniert - eher hat man ihr die Ernsthaftigkeit und damit auch den Charakter genommen. Doch das Gestein bleibt wunderbar und die Kletterei fantastisch. In der 2. Seillänge muss man sich an einer etwas komischen Kletterstelle auch wirklich einmal festhalten - zum Glück war diese bei uns sogar noch nass.
Lukas in der nassen Schlüsselstelle der Rebitsch-Spiegl Führe
Der Mittelteil der Route ist dann zwar um einiges leichter, aber auch deutlich alpiner und nicht mehr so eindeutig hinsichtlich der Wegfindung. Nach der 6. Seillänge querten wir dann eine schlecht abzusichernde Platte (4+) schräg nach links bis zum Stand der Vertical Tango. Und jetzt folgen wirklich zwei unglaubliche Seillängen, wovon die erste aber nochmal besser ist als die Ausstiegslänge. Los geht's mit einem Überhang, der aus der Seillänge eine 7a macht - der Griff mit dem es leicht funktionieren würde ist jedoch etwas oberhalb der Kante, deshalb sieht man ihn nicht wirklich. Die Stelle geht aber theoretisch gut A0, danach übersteigt die Schwierigkeit nicht 6b+, und es wird nach oben hin leichter.
Lukas im Vertical Tango Exit
Die Seillänge ist wirklich unglaublich schön - steile, anhaltende Wandkletterei. Die Ausgesetztheit ist der schwer zu überbieten, denn Dank des Überhangs pfeifts unter uns 300 Meter bis zum Talboden herab. Der Fels ist extrem scharf und lässt viele Möglichkeiten offen; es gibt so viele konkave Formen, dass man oft zwei davon als Zange verwendet. Nur Strukturen für vernünftige Zwischensicherungen sind nicht allzu leicht zu finden - die Hakenabstände sind recht weit, man sollte durchaus genug Reserven für diese Variante mitbringen. Mit Sicherheit eine der besten Seillängen die ich je geklettert bin!
Oanfach a Wahnsinn der Typ
Vom Ausstieg ging es dann noch über leichtes Gelände zum Gipfel der Fleischbank, und über den Normalweg hinunter zum Elmauer Tor.
Material dabei:
60m Rapline
Cams bis 0.3-2
12 Expressschlingen (hat sich aufgrund der zahlreichen Bohrhaken in den ersten Längen ausgezahlt)




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