Alpinklettern: Schüsselkarspitze - Locker vom Hocker
Tirol, Leutasch, Schüsselkarspitze
Unterwegs mit: Lukas Waldner
Der berüchtigte Klassiker "Locker vom Hocker" ist eine Route, die wohl den meisten Alpinisten bekannt ist. Über ihr hängt ein gewisser Nimbus - wurde sie doch bereits '81 von der bis heute bekannten Seilschaft Güllich/Albert im Rotpunktstil erstbegangen. Aber nicht nur aufgrund der historischen Erstbegehung ist die Route bis über die Grenzen Tirols hinaus bekannt - sie ist bis heute eine ernste, alpine Route in allerbestem Kalk.
Einen Tag nachdem ich mit Philipp Brugger an der Hochferner Nordwand dank hervorragender Eisbildung ein Couloir orographisch links der klassischen Nordwand erstbegehen konnte, wollten Lukas und ich für den darauffolgenden Tag das unglaubliche Herbstwetter nutzen, um noch ein letztes mal für die Saison zum Schüsselkar aufzusteigen und dort einen echten Klassiker zu klettern. Nach einer ausgiebigen Alpinklettersaison, physisch als auch psychisch in guter Form, war die Wahl schnell auf die Locker vom Hocker schnell gefallen. In der Vergangenheit nichts weiter als ein Traum so eine Route mal klettern zu können, schwirrte sie uns doch schon seit einer gefühlten Ewigkeit im Kopf herum. Nun aber war sie tatsächlich zu einer für uns machbaren Kletterei geworden.
Und so stiegen wir bei etwas unangenehmer Morgenkälte Anfang November durch das schöne Puittal auf. Auf den von Trockenheit und Sonne gezeichneten Almweiden treffen wir noch unseren Bekannten Peter Ewald, der sich zum Bayrischen Traum aufgemacht hat. Die 2000hm vom Vortag (mit Philipp geht man auch meistens recht flott) steckt mir noch in den Beinen, als wir zügig durch dem Einstieg entgegen gehen. Hype und Anspannung lassen mich die Anstrengung vergessen, und so stehen wir um 9 Uhr am Einstieg. Es herrscht viel Betrieb am Schüsselkar, in unserer Route ist Gott sei Dank noch niemand. Die Temperaturen sind perfekt, die Sonne erwärmt nicht nur den Fels, sondern auch unsere angespannten Gemüter
Lukas munitioniert sich mit Cams & Keilen auf, und steigt in die ewig lange erste Seillänge ein. Ein 45m langer, nach rechts lehnender steiler Riss im unteren 8. Grad - Kaltpump garantiert. Dazu sind wenig Zwischensicherung vorhanden, ab und zu steckt mal ein Schlaghaken oder ein Fixkeil - mit Cams kann jedoch meist gut nachgeholfen werden. Eine saubere Halbseiltechnik hilft jedenfalls enorm. Ich steige nach, der Rucksack zieht mich brutal nach unten. Eine tolle und exponierte Seillänge, allerdings weist sie doch bereits einige Begehungsspuren auf.
Die 2. & 3. Seillänge hänge ich dann zusammen. Am beginn der 2. Länge wirkt das Gestein etwas zweifelhaft, aber eigentlich ist alles schön fest. Man kann in der großen Verschneidung einen super 0.5er Cam legen und knapp darüber einen guten Haken klippen. Danach muss man allerdings gut über die letzten beiden Sicherungen drübersteigen, und die Schlüsselpassage der Seillänge, eine Querung nach rechts raus aus der Verschneidung klettern. Erst danach kann man wieder den nächsten Schlaghaken klippen.
Nun folgt die Schlüsselläng der Tour. Unsere Taktik sah von Anfang an vor, dass Lukas den Riss und ich die Platte vorsteige - und so behalte ich das scharfe Ende des Seils. Der fotogene, kurze Riss am Beginn der Seillänge ist leicht, und man kann sehr gute Zwischensicherungen legen, ein Fixkeil steckt auch noch drinnen. Der Schlüsselzug nach rechts zum Bohrhaken ist schwer, denn man steht komplett ausgespannt da, und Tritte sind Mangelware. Leider konnte ich ihn nicht auf anhieb klettern. Egal, soweit so gut, bis zum nächsten Bolt sind es nur ein paar Meter im unteren 8 Grad. Zwar wird die Seillänge nun nach oben hin leichter, die Abstände zwischen den (guten) Sicherungen sind aber weit, und 7+ muss man trotzdem noch klettern. Ich für meinen Teil fand die 15m nach dem letzten Bolt psychisch recht anspruchsvoll, bedenkt man, dass das plattige Sturzgelände jetzt auch nicht optimal ist. Am Stand bin ich jedenfalls eher erleichtert angekommen ;)
Ein wunderschöner Riss im oberen 6. Grad folgt noch, bevor es in den folgenden paar Ausstiegslängen immer leichter, vom Gestein her aber auch immer schlechter wird.
Wir seilten über die Route Knapp/Köchler in der Abendsonne ab und waren überglücklich diese Route begangen zu haben!
Material dabei:
BD Cams: 0.2 ; 0.5 - 1 ; 3
Keile
60m Halbseile





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